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Digitaler Wissens-Populismus: Wikipedia

Digitaler Wissens-Populismus: Wikipedia
Das Online-Lexikon Wikipedia als die universelle Wissensquelle?
Brockhaus, Encyclopædia Britannica und "verstaubtes Expertenwissen" waren gestern – heute ist das Wissen "demokratisiert" und online auf "dem neusten Stand". Das zumindest behauptet das Online-Lexikon Wikipedia von sich als für jeden verfügbares "Mitmach-Lexikon".

In seinem aktuellen Buch "Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts" untersucht  Werner Rügemer unter anderem die Rolle des Online-Lexikons Wikipedia. RT Deutsch veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors nachfolgend das Kapitel "Digitaler Wissenpopulismus: Wikipedia".

"Die größte Enzyklopädie der Menschheit", "das größte kollaborative Projekt der Menschheit": So lobt sich Wikipedia selbst. 2001 gegründet, umfasst Wikipedia gegenwärtig 39 Millionen Artikel in 300 Sprachen. Nach Google, YouTube (gehört zu Google), Facebook und Baidu (China) folgt Wikipedia nach eigener Aussage als am häufigsten genutztes Internetportal. Die Enzyklopädie ist kommerziell und eng mit GAMFA [Google, Apple, Microsoft, Facebook, Amazon – Anm. der Redaktion] verbunden: Man finanziert und begünstigt sich gegenseitig. Mit der Agentur des "freien Wissens" könne jeder und jede sein und ihr Wissen einbringen und Artikel schreiben. Für die basisorientierte Schwarmintelligenz arbeiten zehntausende Studenten, Wissenschaftler und andere mit – freiwillig, freudig und kostenlos, heißt es. Der Untergang etwa des Brockhaus-Lexikons braucht tatsächlich nicht bedauert zu werden. Aber ist Wikipedia die freie, wissenschaftliche Alternative?

Wikipedia reklamiert für sich ein Höchstmaß an Objektivität und Glaubwürdigkeit. In einem Urteil aus dem Jahr 2012 hat das AG Köln Inhalte der Online-Enzyklopädie sogar als

Die vorletzte Ebene des Beherrschungswissens

Wikipedia ist ein privater US-Konzern. Er organisiert Herrschaftswissen der neuen Kapitalisten. "Wiki" bedeutet "schnell". Wikipedia organisiert und repräsentiert das heute vorherrschende Quickie-Wissen für die mehr oder weniger bürgerlich gebildeten bzw. verbildeten Schichten der Bevölkerungen.

95 Prozent aller westlichen Abiturienten und Studenten nutzen Wikipedia, bei Journalisten dürften es mindestens fünf Prozent mehr sein. Auch "Normalbürger" freuen sich über das schnell konsultierbare, kostenlose Lexikon. Der "Normalbürger" kann das Gefühl haben – die Hoffnung und der Anspruch darauf sind ja begründet! –, am bisher exklusiven Universitätswissen teilzuhaben. Viele Artikel und Artikelteile auf der Ebene der Tatsachenaufzählung (Jahreszahlen über historische Ereignisse, Biografien von Persönlichkeiten, Einwohnerzahlen, personelle Zusammensetzung von Regierungen und Organisationen, chemische und physikalische Formeln, Literaturangaben usw.) sind korrekt und für erste schnelle Orientierungen nützlich. Aber – welche Tatsachen, welche Literaturangaben fehlen?

Das entscheidende Wissen im westlichen Kapitalismus wird aber intern entwickelt, z.B. im BlackRock Research Institute und für Aladdin, in Think Tanks, in PR-Agenturen, in unternehmensfinanzierten Hochschulinstituten, in zentralen staatlichen Verwaltungen und von Regierungsberatern, von den professionellen Insidern der Rating-Agenturen, der Wirtschaftskanzleien, der Unternehmensberater, der Wirtschafts'prüfer' und nicht zuletzt, damit vernetzt, in Geheimdiensten und der NATO – das hier akkumulierte, interne, strategisch entscheidende Wissen taucht in Wikipedia nicht auf. Auch das interne Wissen, das Google, Facebook, Microsoft, Apple und Amazon aus ihren Kunden abschöpfen, geht in Wikipedia nicht ein. 'Meinungs'freiheit ja, so viel ihr Wikipedia-Schreiberlinge wollt – aber sie ist abgetrennt von der Informationsfreiheit, die nur für untergeordnete Bereiche gilt.

Wikipedia ist somit der Teil des erlaubten, öffentlichen Wissens, der für die ideologische Beherrschung des modernen Internet-Prekariats geeignet ist. Die Bezeichnung als Prekariat erscheint sicher vielen Wikipedia-Nutzern und vor allem den vielen engagierten, "normalen" Wikipedia-Autor/inn/en als Beleidigung. Aber es ist so: Gerade die freie Zugänglichkeit und vor allem die Möglichkeiten des Mitgestaltens von Wikipedia-Einträgen täuschen darüber hinweg, dass man sich auf der untersten Ebene der Wissenschaft bewegt – wenn man Wissenschaft so versteht, dass sie auf harten Fakten beruhen, vom unbedingten, nicht käuflichen Wahrheitsinteresse geprägt und an den langfristigen Überlebensinteressen der Mehrheit orientiert sein sollte.

Die harten Fakten des gegenwärtigen Kapitalismus sind aber sowohl den normalen Wikipedia-Mitarbeitern wie auch Journalisten und akademischen Wissenschaftlern gar nicht zugänglich – außer sie werden von dafür zuständigen Agenturen und Öffentlichkeits-Zubereitern gezielt und selektiv versorgt und wie vielfach üblich zur Geheimhaltung verpflichtet. Wie viele universitäre Forschungen, vor allem die von Unternehmen, Staat, Militär finanzierten, unterliegen der Geheimhaltung oder werden durch sie deformiert, greifen aber unerkannt in das Alltagsleben ein?!

Die Selbsttäuschung der prekären Wikipedia-Wissensarbeiter wird dadurch befördert, dass Wikipedia in mancher formalen Hinsicht und in vielen Texten herkömmlicher wissenschaftlicher Methodik genügt und das Wissen, das nicht unmittelbar herrschaftsrelevant ist, auch vollständig enthält. Die Selbsttäuschung wird auch dadurch gefördert, dass die meisten und angesehensten Zitatquellen bei Wikipedia die Leitmedien des akademischen Publikums sind – in Deutschland also Spiegel, FAZ, Zeit, Welt, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, tagesschau.de sowie die Bücher der "renommierten" Verlage. Dass die Glaubwürdigkeit dieser Leitmedien längst erschüttert ist, ist bei Wikipedia noch nicht angekommen.

Nicht Originaldokumente – Verträge, Gerichtsurteile, Parlamentsbeschlüsse – tauchen an vorderer Stelle in den Suchmaschinen auf. Die eng mit den neuen Finanzakteuren verbundenen Leitmedien – geschmeidig angepasst an jede Situation in der jeweiligen Sprachregion, im jeweiligen Staat – sind die wichtigste Zitatquelle für Wikipedia-Artikel. Denn diese Medien und Verlage sind zugleich die wichtigen Kunden und großen Zahler der Internetkonzerne wie GAMFA, die zudem Wikipedia finanzieren. Medien und (Fach)Verlage, die keine marktmächtigen Kunden sind oder als "links", "antisemitisch", "antiamerikanisch" gelten, sind als Zitatquellen verpönt.

Der Wahrheitsbegriff wird zerstört

Auf unterschiedliche Weise wird der Begriff, damit auch die Möglichkeit der Wahrheit zerstört. Wahrheit ist nichts absolut Feststehendes, sondern ein Prozess der Auseinandersetzung. Es kommt aber darauf an, wie er organisiert wird und sich entfalten kann.

Erstens: Autoren und Autorinnen arbeiten unter Pseudonym

Auch alle Redakteure und Redakteurinnen arbeiten unter Pseudonym. Die persönliche Verantwortung bei der Erarbeitung des Wissens wird wegorganisiert.

Zweitens: Spielball der Public-Relations-Industrie

Weil das Image von Unternehmen, Staaten, Städten, Regionen, Urlaubsorten, Parteien, Politikern, Kirchenführern, Prominenten, Autoren, Rennfahrern inzwischen auch davon abhängt, was über sie in Wikipedia steht, beauftragen sie vielfach PR-Agenturen, um die Einträge dauerhaft überwachen zu lassen und unliebsame Einfügungen zu neutralisieren. Derjenige Autor oder diejenige PR-Agentur setzt sich im monate- und oft auch jahrelangen Hin und Her der Änderungen und Löschungen durch, der und die über die meiste Zeit und das meiste Geld verfügt.

CDU und SPD verschönten ihre Einträge, das FDP-Plappermaul Christian Lindner ließ über eine IP-Adresse im Düsseldorfer Landtag seinen Eintrag 40 Mal ändern. BMW, Ebay, Dell, die CIA und der Vatikan manipulierten Einträge. Spezialisierte PR-Agenturen überwachen unter unscheinbaren Pseudonymen im Dauerauftrag gegen Honorar Wikipedia-Artikel, fügen etwas ein, ändern, streichen.

76,9 Prozent der 20.000 Autoren des deutschen Wikipedia haben seit ihrer Anmeldung höchstens neun Mal etwas in einen Artikel eingefügt. Sie stehen für die freiwillige, hochmotivierte und unbezahlte Schwarmintelligenz. Dagegen hat der Mitbegründer der Wikimedia-Stiftung, die das deutsche Wikipedia finanziert, Achim Raschka, über ein Pseudonym bisher 78.000 Bearbeitungen vorgenommen. Es war keine Schwarmintelligenz, sondern bezahlte Auftragsarbeit: Das Ministerium für Verbraucherschutz förderte das Wiki-Projekt "Nachwachsende Rohstoffe" (318 Einträge) mit 234.000 Euro. Der pseudonyme Autor 7Pinguine, der von einer IP-Adresse des Leibinger-Konzerns arbeitet und dafür offensichtlich freigestellt ist, hat es seit 2007 auf 15.000 Bearbeitungen geschafft, mit Manipulationen zugunsten von Nestlé und der FDP. Auf Nachfragen wegen der Manipulationen gibt Wikimedia keine Antwort: keine Transparenz, keine Basisdemokratie, kein Meinungsstreit.

"Die freie Enzyklopädie Wikipedia wird von ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren geschrieben", verkündet Wikimedia. Das ist unwahr: Wenn es um Wichtiges geht, schreiben bezahlte Profis. Die Arbeitsvermittlung von Amazon, Mechanical Turk (MT), bietet u.a. das Verfassen von Wikipedia-Artikeln an. So wurde die digitale Basisdemokratie ein Spielball der PR-Industrie. "Public Relations und Manipulation sind in Wikipedia allgegenwärtig".

Symbolbild

Drittens: Machtgestützte "Neutralität"

Der Wahrheits-Begriff selbst wird als unzulässig, als unwissenschaftlich diskreditiert. Für Wikipedia gibt es nur "Meinungen". Der Ersatz für Wahrheit ist "Neutralität" (Neutral Point of View, NPOV) und das Verbot der Theoriefindung (No original research). Diese Kriterien für das Verfassen von Wiki-Texten sollen zwischen verschiedenen ausgewählten Meinungen nicht irgendeine, sondern eine kapitalkompatible Mitte sicherstellen. Die bisher wichtigsten Ausschlusskriterien sind Scientology und Nacktheit des menschlichen Körpers; auch Antisemitismus ist wichtig – allerdings nicht Antiislamismus. Die universellen Menschenrechte, die Arbeitsrechte der ILO und das Völkerrecht sind keine Kriterien. Aussagen von Behörden gelten als grundsätzlich neutral – allerdings nur, wenn es "westliche" Behörden sind. Wikipedia bewegt sich bei den heute brisanten Konflikten der Außenpolitik, etwa bei Russland, China, Iran, Israel, Syrien, Kuba, Ägypten in der Regel im Spektrum der US-Außenpolitik, freilich inklusive ihrer sich liberal gebenden Varianten à la NYT.

Die Artikel reproduzieren in der Regel zunächst die offizielle Selbstdarstellung von Staaten, Unternehmen, Behörden, Parteien, Prominenten, Organisationen und die offizielle Version von Finanzprodukten, Medikamenten usw. Bei Russland, China, Kuba, Venezuela u.ä. ist dagegen – in Übereinstimmung mit der US-Außenpolitik – die Kritik bereits in der Einleitung enthalten. Bei den anderen Artikeln folgt erst am Ende der gesonderte Abschnitt "Kritik". Die beschränkt sich auf das, was in großen Medien veröffentlicht wurde und deshalb als zitierfähig gilt, oder auf Medien, die im Ranking des Wikipedia-Sponsors Google weit oben stehen und dafür bezahlen, z.B. Spiegel Online, Zeit Online, NYT.

Viertens: Undurchsichtiges Redaktionssystem

Wikipedia unterhält ein undurchsichtiges Redaktionssystem. Es besteht aus einer sechsstufigen Hierarchie: Die unterste Ebene bilden, so fand Marvin Oppong für die deutsche Version heraus, 24.411 passive Sichter, über ihnen stehen 14.232 aktive Sichter, über ihnen 260 Administratoren, diese unterstehen wiederum 6 Bürokraten (so heißen sie wirklich), auf der vorletzten Etage oben rangieren 5 Oversighter, ganz oben dann die 5 Checkuser (Stand: 2014). Sie alle sind anonym. In diesem namenlosen Dschungel fallen die Entscheidungen, welche Artikelversion genehmigt wird und welche nicht.

Digitale Vernichtung

Der schon zitierte Ex-Chefwissenschaftler von Amazon, Andreas Weigend, hatte die Möglichkeit tiefer Einblicke in die Digitalwirtschaft, die Wikipedia finanziell direkt fördert. "Google und Facebook können die Identität von Menschen vernichten. Wenn Sie etwas schreiben und veröffentlichen, das dem Konzern oder einem Staat nicht passt, ändert der Konzern den Algorithmus so, dass Sie in den Suchergebnissen nicht mehr auftauchen. Und dann sind Sie weg vom Fenster."

Kapitalistischer Zentralismus

Der als gemeinnützig anerkannte Verein Wikimedia Deutschland, Betreiber des deutschen Wikipedia, wurde bis 2016 von Christian Rickerts geleitet: Der bildete den Vorstand, der nur aus ihm selbst bestand. Er war Chef der damals 60 hauptamtlichen Angestellten. Der hochbezahlte Manager (Gehalt und erfolgsabhängige Boni) kam vom Unternehmensberatungskonzern Capgemini. Neben seiner Funktion bei Wikimedia agierte Rickerts gleichzeitig als Vice President für Corporate Communication bei der Bertelsmann-Stiftung. Und gleichzeitig war er alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer des Wikimedia-Fördervereins, der die Spenden eintreibt; 2015 waren es 11 Millionen Euro. Es wird betont, dass 422.000 Menschen dazu im Durchschnitt 25 Euro gespendet haben. Namen größerer Spender werden nicht genannt. Wikimedia Deutschland, die zweitgrößte Sektion nach der US-amerikanischen und die erste ausländische, die von der übergeordneten Wikimedia Foundation Inc. in San Francisco genehmigt wurde, muss die Spenden vom kapitalistischen Zentralkomitee in Kalifornien verwalten und sie sich ggf. dann wieder zuteilen lassen. So wird mit allen nationalen Wikipedia-Vereinen verfahren: "America First".

Groß-Sponsoren Apple, Google, Microsoft ...

Die Wikimedia Foundation Inc. beschäftigt gegenwärtig über 300 Angestellte und verfügt über 91 Millionen Dollar Einnahmen jährlich (2016/17). Die Hauptfinanziers (major benefactors) sind Unternehmensstiftungen und Unternehmer: Apple, Google und Microsoft; die Google-Gründer Sergey Brin und Anne Wojcicki; Alfred Sloan-Stiftung (Sloan, Ex-Chef von General Motors); Lisbet Rausing, Vice President der Vermögensverwaltung der Harvard University und Erbin des TetraPak-Konzerns; Teterev-Stiftung (Autogroßhändler und Filmproduzent aus Lettland); Cards Against Humanity ("party games for horrible people"); Craig Newmark (Werbeagentur Craiglist); Siegel-Stiftung (Hedgefonds Two Sigma); Charina Endowment (Goldman-Sachs-Partner Richard Menschel); Humble Bumble (Videospiele); Mathworks (Software); Richard Seidel (Musikproduzent).

Als Paradiesvögel unter den regelmäßigen Hauptfinanziers erscheinen Antoine Bello, Ayn-Rand-Fan und Unterstützer des französischen Politikers Nicolas Sarkozy, die Prinzessin von Asturien und Frau des spanischen Thronfolgers [und jetzigen Königs – Anm. der Redaktion] sowie die Erasmus Foundation, die sich für spirituelle Heilungen und Reinkarnation einsetzt. Diese Sponsoren – Wikimedia nennt nicht die Spendenhöhe –, zahlen, soweit durch andere Quellen bekannt, jährlich zwischen 500.000 Dollar (Brin/Wojcicki) und einer Million (Sloan Foundation, Craig). Zur nächsten Kategorie der Sponsoren (patrons), die bis 49.000 Dollar jährlich zahlen, gehören u.a. William und Melinda Gates, Boeing, Goldman Sachs, Intel. In der nächsten Kategorie (leading donors), die bis 14.999 Dollar zahlen, finden sich u.a. die Bank of America, Adobe und Chevron.

BlackRock & Co – oder wie es kommt, dass die

Popular Economics

Besonders aufschlussreich ist die Alfred Sloan Foundation. Sie ist der größte und Dauersponsor. 2008 hatte sie für den schnellen Ausbau drei Millionen Dollar gespendet.

Sloan war von 1923 bis 1956 die bestimmende Figur bei General Motors. Er gilt als Erfinder der geplanten Obsoleszenz, also des eingebauten, vorfristigen Verfalls technischer Produkte sowie der technisch unnötigen, schnellen Modellerneuerung. Die Gewinne des Konzerns wie sein persönliches Vermögen mehrte Sloan auch durch die Rüstungsproduktion zunächst für die Hitler-Wehrmacht (nicht nur über die deutsche GM-Tochter Opel), dann gleichzeitig für das US-Militär, und dies auch während des Zweiten Weltkriegs.

Sloan gründete seine Stiftung 1934. Sie war gegen die Reformpolitik Franklin D. Roosevelts gerichtet und finanzierte Bildungsprojekte für die breite Masse der Bevölkerung mit Schulprogrammen, billigen Schulheften, Trickfilmen. Zur wissenschaftlichen Begründung gab sie die Zeitschrift Popular Economics heraus. Ziel: Die Prinzipien des Free American Business in leicht verständlicher, schneller, kostenloser Form unters Volk bringen – also das, was Wikipedia mit heutigen technologischen und ideologischen Mitteln macht.

Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständliche Notizen zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln 2018, Papyrossa Verlag, 357 Seiten, 19,90 Euro. Typologie, Praktiken und Hilfstruppen der neuen Finanzakteure, transnationale Kapitalverflechtungen. Vergleich des US-geführten westlichen Kapitalismus mit dem Kapitalismus in China nach den Kriterien Völkerrecht, Menschenrechte, Arbeitseinkommen, erneuerbare Energien, Korruptionsbekämpfung, volkswirtschaftliche Entwicklung und Typ der Globalisierung.

Anmerkung: Dieser Auszug enthält nicht die Fußnoten mit Quellenhinweisen des Originals.

Hinweis der Redaktion: Weiterführende Informationen zu Wikipedia bietet auch die aktuelle Analyse vom Swiss Propaganda Research: Propaganda in der Wikipedia.

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