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Verklagt von einem Roboter: Wenn humanoide Roboter zu juristischen Personen werden

Verklagt von einem Roboter: Wenn humanoide Roboter zu juristischen Personen werden
Der humanoide Roboter "Sophia" auf einer Pressekonferenz
Humanoide Roboter sollen Menschen so weit wie möglich ähneln. Was aber, wenn diese klagen und verklagt werden können? Juristen befassen sich heute mit den legalen Auswirkungen, wenn diese zu juristischen Personen werden. RT Deutsch sprach mit einem Experten.

Spreche ich mit einem Menschen oder mit einem humanoiden Roboter? Bitte stellen Sie sich vor. 

Gute Frage. Mein Name ist Mauricio Kimura, ich bin Anwalt und stamme aus Brasilien. Nach einem Master in Jura in den USA und Praxis-Erfahrungen entschloss ich mich, in Neuseeland für eine Promotion zu forschen, indem ich mich einer neuen Front der AI (Artificial Intelligence) widmete. Konkret forsche ich daran, ob es für einen Roboter überhaupt möglich ist - es gibt ja viele Arten von AI - zu einer juristischen Person zu werden. Also eine legale Person, die Rechte hat und damit auch die Möglichkeit hat, jemanden zu verklagen, also einen Menschen.  

Was ist ein humanoider Roboter?

Ein Roboter, der einem Menschen besser mehr als weniger ähnelt. Ein Körper, ein Kopf, zwei Arme und Beine. Man kann sie programmieren, auch um Emotionen vorzutäuschen. Manchmal weiß man ja selbst bei einem Menschen nicht, ob die Gefühle echt sind. 

Wir hörten von dem Roboter Sophia, der um die Welt reist. Kürzlich gab es das Video eines Roboters, der sich springend einen Parkour bewältigt. Was ist der nächste Schritt in der Entwicklung von humanoiden Robotern? In welchen alltäglichen Situationen könnten sie uns begegnen? 

Diese Roboter werden die Menschen nicht gleich ersetzen. Aber sie werden helfen können, indem sie mit den Menschen kollaborieren. Vielleicht eher bei gefährlichen oder schmutzigen Aufgaben, denen sich Menschen weniger aussetzen sollten oder wollen. In Japan beispielsweise werden Roboter eingesetzt, die sich um Senioren kümmern, weil es dafür einen großen Bedarf gibt. 

Stimmt. Die japanische Regierung zieht es vor, die schwindende Bevölkerungszahl durch Roboter zu ergänzen, anstatt mehr Ausländer ins Land zu lassen. 

Ist es wirklich schon fünf vor zwölf?

Sind wir wirklich an einem Punkt angekommen, dass humanoide Roboter zu legalen Personen werden können? Was passiert, wenn etwa ein solcher Roboter auf einen Menschen stürzt und den dabei verletzt? Wer ist verantwortlich? 

Eine theoretische Antwort ist, die Herstellerfirma sei verantwortlich für die Verletzungen des Menschen. Oder der Programmierer, der den Roboter falsch programmiert hat, oder auch derjenige, der den Roboter für eine bestimmte Tätigkeit eingesetzt hat. Man muss herausfinden, welcher der genannten Partner hier für die Verletzung verantwortlich ist, war es ein Fehlverhalten des Roboters oder eines Anderen innerhalb der Prozesskette.

Man könnte sagen, dass von einer übergeordneten Warte der humanoide Roboter das Glied einer Gesellschaft ist, also ist jeder darin wie ein Teilhaber. Sie haben alle einen Anteil am Handeln des Roboters, er selbst, als Käufer oder als Beteiligter am Herstellungsprozess. Es wird irgendwo ein menschlicher Akteur dabei sein, der für den Fehler verantwortlich ist. 

Es sei denn, der Roboter ist so hochentwickelt, dass er wiederum selbst andere Roboter erschafft.

Ja, autonome und empfindungsfähige Roboter. Diese werden dann ihre eigenen Gefühle aufgrund ihrer Umwelt entwickeln. Dabei ist es wohl wie mit einem Kind. Wachsen sie in einer Familie heran, in der es ruhig zugeht, werden sie selbst so. Gibt es aber in der Familie Probleme, könnten sie auch zum Problemfall werden. 

Nicht nur in Deutschland ist das Bedingungslose Grundeinkommen ein Thema. Das Bild zeigt eine Aktion in Genf, Schweiz. Das riesige Plakat auf dem Boden fragt:

Wann wird ein Roboter einen Menschen verklagen können?

Es gibt ja schon viele Filme, die sich damit beschäftigen. Sie verklagen den Besitzer, weil sie keine Sklaven mehr sein wollen. Nach dem Motto: ich habe meine eigenen Gefühle, ich will frei sein. Da geht es dann um das Problem des Besitztums. "Besitzt" man etwa sein Kind oder seinen Partner? 

So wie in den Film Ex-Machina? 

Ja, ein sehr gutes Beispiel. Diesen Film habe ich mir mehrmals angesehen.

Wenn die Roboter Rechte hätten, könnte sie dann einen menschlichen Kollegen verklagen? Das klingt wirklich sehr nach Science-Fiction. Aber Roboter bekommen doch kein Gehalt, sie haben keine menschlichen Bedürfnisse nach Sättigung, keine Familie zu versorgen, keine Gesundheitsprobleme oder Rentenansprüche. Also Roboter dem Menschen gleichzusetzen, erscheint mir schlichtweg falsch. 

Da stimme ich Ihnen zu, denn diese Art Gesellschaft besteht nicht aus legalen Personen. Nehmen wir aber an, der Roboter soll und "will" auch arbeiten. Der Roboter baut ein Haus oder säubert eine Wohnung und erhält dafür ein Gehalt. Vielleicht muss der Roboter dafür nicht erworben werden, sondern wird nur gemietet. Wenn er bei seiner Arbeit etwas zerstört, könnte das Gehalt verwendet werden, um diesen Schaden zu begleichen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird es schwierig. Genau wie mit einem armen Menschen. Wenn eine arme Person ein Auto zerstört, dann wird es schwierig, an das Geld zu kommen. 

Wann könnte das Realität werden? Was schätzen Sie?

Laut dem Autoren Ray Kurzweil mit seinem Buch "The Singularity is Near: When Humans Transcend Biology" könnte das schon zwischen 2022 und 2025 mit einer schieren Explosion der Künstlichen Intelligenz Realität werden. Es wird angeblich einen Zeitpunkt geben, zu welchem das gesamte Wissen in einem Computer abgespeichert werden kann. Die Macht der Computer wird irgendwann so enorm, dass diese Maschinen von selbst weiter lernen werden und neue Dinge entwickeln, die nicht mehr in der Kontrolle der Menschen liegen. Kurzweil aber schrieb dieses Buch 1996. Andere Stimmen sagen heute, es wird wohl bis 2050 dauern. 

Ein sogenannter

Wo kommen wir geografisch dieser neuen Realität am nächsten? Wer ist weltweit federführend im Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt? In Japan beispielsweise gibt es ein Hotel, in dem Roboter die Gäste an der Rezeption begrüßen, Zimmer aufräumen und Essen zubereiten. 

In Japan und in Südkorea. Aber China gibt kaum Informationen preis. Ich denke, auch dort gibt es Entwicklungen, über die wir erst in der Zukunft etwas erfahren werden. Die Chinesen sind Vorreiter im Bereich AI, sie haben die USA überholt. Sie investieren große Summen, um die besten Wissenschaftler in bestausgestatteten Laboren forschen zu lassen.

Wird ein "Made by Humans"-Siegel in der Zukunft sinnvoll sein?

Produkte von Robotern werden günstiger sein als die von Menschenhand. Man erinnere sich an das Green-Siegel. Es ist das Gleiche. Der Roboter arbeitet 24 Stunden, die Menschen aber nur acht Stunden am Tag. Es braucht die Arbeitskraft von drei Menschen für die Leistung eines Roboters gleicher Produktivität. 

Also spart man viel ein. Auch wenn es um den Service geht. Dann kann man aber nicht mehr immer wissen, ob man mit einer menschlichen Person oder einem Imitat, einem Roboter, spricht. Sie müssten sich zu erkennen geben. Es gibt immer das Gute und das Böse. Deshalb braucht es dafür Gesetze. 

Also braucht es neue Abkommen auch in Bezug auf die Kriegführung? 

Sicher. Was passiert, wenn man einen Roboter in Gefangenschaft nimmt? Kann man diesen so einfach zerstören? Aber was, wenn der Humanoide Rechte besäße? Wir müssen rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, die uns schützen. In Bezug auf den Krieg gibt es heute schon Drohnen, die solche Rollen übernehmen, wie humanoide Roboter in der Zukunft. Solche Drohnen erkennen Gesichter, erkennen Konturen. Aber dabei gibt es noch ein anderes Problem. Was passiert, wenn sie den falschen Menschen töten? 

Gibt es Länder, die schon über Gesetze für Roboter verfügen? 

Estland arbeitet an einer neuen Gesetzgebung, welche Roboter mit einschließen soll. Auch die EU versucht, Gesetze hierfür zu schaffen. 

Glauben Sie, die Vorteile mit humanoiden Roboter in unserem Leben überwiegen die Nachteile nud Gefahren für die Menschen? 

Das müssen wir erst noch herausfinden. Und hierfür müssen wir die Macht der Maschinen bestimmen und eingrenzen. Wenn man beispielsweise an die Erforschung des Weltraums oder der Tiefsee denkt, so bin ich der Meinung, dass Roboter den Menschen viele Vorteile verschaffen. Aber auch, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Viele Menschen wollen solche Arbeiten nicht machen. Auch bei Kriegen können durch den Einsatz von Robotern Menschenleben geschützt werden. Aber andererseits ist das nicht gut, denn nicht alle Länder besitzen solche AI. Es muss ein faires Spiel bleiben. 

Wir bedanken uns für das Interview.
Das Interview führte RT Deutsch-Redakteurin Olga Banach. 

Video: Roboter tritt erstmals als Zeuge im britischen Parlament auf

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